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Das
Leben lieben, um es wirklich zu leben
Ursberger
Gymnasiasten spielen "Unsere kleine Stadt"
Öde, provinzielle Langeweile - ist das der Grundstoff, aus dem man ein
spannendes Theaterstück machen kann? Der amerikanische Dichter Thornton
Wilder schaffte dieses Kunststück mit seinem 1938 veröffentlichten
Drama "Unsere kleine Stadt". Und den Schülern des Oberstufentheaters am
Ringeisen-Gymnasium der St. Josefskongregation gelang es nun unter
ihrem Leiter Andreas Eberle, dieses mit einem Pulitzer-Preis
ausgezeichnete Stück besonders eindrucksvoll in Szene zu setzen, frei
nach dem Motto: Kleines Theater ganz groß!
"Unsere kleine Stadt" spielt in der fiktiven Kleinstadt Grover's
Corners im US-Bundesstaat New Hampshire. Die Handlung gliedert sich in
drei Akte. Zuerst werden die Zuschauer in "Das tägliche Leben" in
diesem recht durchschnittlichen Ort eingeführt. Man lernt das Leben
zweier benachbarter Familien, der Arztfamilie Gibbs und der
Journalistenfamilie Webb, kennen. Eine Romanze der beiden Kinder George
Gibbs und Emily Webb deutet sich an, aber das Frühstück, Bohnenputzen,
ein geerbtes Buffet und viele andere Nichtigkeiten sind mindestens so
"wichtig"!
Theater im Theater
Von der Handlung zunächst eher traditionell, ist das Stück von der
Theaterkonzeption her betrachtet sehr modern. In Anlehnung an das
Epische Theater Brechts wird der Zuschauer aus seiner Konsumhaltung
herausgerissen. Immer wieder treten eine Spielleiterin und deren
Assistentin in Aktion und erklären die Zusammenhänge. Es entsteht der
Anschein, als inszenieren sie eben erst das gerade Gezeigte. So zeigen
sie im zweiten Akt in einem Rückblick, wie sich George und Emily kennen
lernen, am Ende wird den Zuschauern dann die Hochzeit vorgeführt. Der
letzte Akt spielt dann auf dem Friedhof von Grover's Corners. Hier
lösen sich räumliche und zeitliche Zusammenhänge völlig auf. Emily ist
bei der Geburt ihres zweiten Kindes gestorben und landet nun im Reich
der Toten. Sie erhält die Möglichkeit, aus dem Jenseits auf die
Lebenden herabzuschauen und für einen Tag zurückzukehren. Erst hierbei
erkennt sie, wie nichtig die Dinge sind, mit denen sich die Lebenden
beschäftigen. Ob dies die Zuschauer wohl schon im ersten und zweiten
Akt erkannt haben? Emily kehrt resigniert ins Totenreich zurück.
Waren die Vorstellungen nun langweilig, wie man es vom Inhalt der
ersten beiden Akte her vermuten könnte? War es nur für
Theatertheoretiker interessant, die die amerikanische Variante des
Epischen Theaters erleben wollten? Beide Aussagen kann man getrost
verneinen! Die Mischung aus Brechtscher Theaterpädagogik und fast schon
schwarzem Humor machte die Belanglosigkeiten des dargestellten Lebens
höchst unterhaltsam. Der Esel Betsy der Milchfrau Howie Newsome, von
dieser durch pantomimisches Streicheln und gutes Zureden dargestellt,
durfte da als wirklich komisches Element wahrgenommen werden. Die
überdrehte "Ratschkattl" Mrs. Soames, die alles, insbesondere aber die
Hochzeit "entzückend" fand, hatte da schon ein anderes Kaliber: Man
lachte, dachte sich aber: So eine kenn' ich doch auch! Und spätestens
als klar wurde, dass der komische Auftritt des betrunkenen Chorleiters
Simon Stimson auf seine Alkoholkrankheit zurückzuführen ist, blieb
einem das Lachen eigentlich im Halse stecken. Ist das Leben in dieser
kleinstädtischen Gesellschaft denn überhaupt lebenswert? Thornton
Wilder formuliert es so: "Du musst das Leben lieben, um es wirklich zu
leben, und du musst wirklich lieben, um das Leben zu lieben!" Die tote
Emily kehrte nach einem Tag der Rückkehr ins Leben lieber wieder ins
Totenreich zurück. Und was war mit den Zuschauern der drei
ausverkauften Vorstellungen? Nachdem die meisten in der Pause nach dem
zweiten Akt noch vorwiegend von den humoristischen Passagen geprägt
waren und ihre Stimmung überaus fröhlich war, zollten sie am Ende den
Darstellern und dem Regisseur zwar fast frenetischen Beifall für deren
Leistung, verließen das Theater hinterher aber doch nachdenklich - in
"ihr kleines Leben" zurückkehrend.
Großartige Leistung
Prägnant, werkgetreu und trotzdem packend - so werden im kleinen
Ursberger Kellertheater immer wieder große Werke der Weltliteratur
gezeigt. Auch diesmal gelang das den äußerst engagiert spielenden
jungen Leuten der dortigen Theatercrew. Und so kommen die Zuschauer
längst nicht mehr nur aus der Schule nahe stehenden Kreisen. Bei vielen
Theaterkennern der Region ist diese Bühne fest etabliert. So reisten
zahlreiche Besucher auch wieder bis aus Günzburg und aus dem Augsburger
Raum an, unter ihnen auch zum wiederholten Male der ehemalige
Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen Gernot Römer, der es wieder
"Großartig!" fand. Für das Frühjahr kündigte Theaterleiter Andreas
Eberle gleich zwei Produktionen an: Im April kommt unter seiner Leitung
"Der Besuch der alten Dame" von Dürrenmatt und bereits im März wird
unter der Regie von Dominik Ritter Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"
zu sehen sein. Weitere Informationen dazu kann man kostenlos per E-Mail
unter RGUDramatGestalt@online.de abrufen.

Das
Bild zeigt die Crew des Ursberger Kellertheaters,
hinten links Regisseur Andreas Eberle
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Kontakt
Ringeisen-Gymnasium
der St. Josefskongregation
Sprachliches
Gymnasium
/ Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Gymnasium
Josefsplatz
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Ursberg
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3690
E-Mail: sekretariat@ringeisen-gymnasium.de
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