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Die Rückkehr der Vernunft

Dr. Gerhard Hofweber referierte über Philosophie heute

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Dr. Gerhard Hofweber, Rita Mayer, Heinrich Filbig

Kann die Vernunft aus der Welt verschwinden und wiederkommen? Wie sieht ein gutes Leben aus? Was sagt die Philosophie dazu? In einem spannenden und gut besuchten Vortrag skizzierte der Augsburger Philosoph Dr. Gerhard Hofweber solche Fragen und mögliche Antworten dazu. Die Veranstaltung wurde durchgeführt von der Katholischen Landvolkbewegung im Dekanat Krumbach, verantwortlich war Rita Mayer aus Neuburg. Das Ringeisen-Gymnasium der St. Josefskongregation stellte den großen Musiksaal zur Verfügung, Heinrich Filbig begrüßte die Gäste im Namen der Schulleitung und Mathias Jannetti, David Mayer, Mirjam Szörenyi, Verena Lang und Sinah Steinhart sorgten für einen ansprechenden musikalischen Rahmen.

Objektive Wahrheit
Hofweber ging in seiner Einleitung zuerst auf das Wesen der Philosophie ein: "Der Mensch hat keinen wirklichen Zugang zur Tradition des eigenen Denkens ohne Philosophie", so seine Aussage. Er betonte, dass Philosophie auf der Suche nach objektiver Wahrheit sei, und wandte sich strikt gegen Denkströmungen, die jedem seine eigene subjektive Wahrheit lassen. Philosophie sei der Versuch, die Prinzipien der Welt im Denken zu erkennen. Schnell wurde den Zuhörern klar, dass echtes Philosophieren viel Ausdauer und Übung erfordert, ähnlich dem Verstehen und Beherrschen schwieriger Musikstücke. Doch der Referent erklärte seine Gedanken gekonnt anhand treffender Beispiele, mit denen er die drei wesentlichen Fragen illustrierte: Wie äußert sich der Verlust der Vernunft? Wie kam es dahin? Woran erkennt man ihre Rückkehr?

Der Verlust der Vernunft
Vernunft ist ein tiefgreifender Begriff der Philosophie. Er hat nichts mit oberflächlichen Ratschlägen (Sei doch vernünftig ...!) zu tun. Doch leider, so Hofweber, könne heute kaum ein aktuelles Thema richtig durchdacht werden, daher stelle sich ein Gefühl des Überwiegens von Unvernunft ein. Hinzu komme, dass Menschen in ihren beruflichen Funktionen oft ihre moralische Integrität ablegen und sich auf Sachzwänge berufen würden. Als weiteres Zeichen der Abwesenheit von Vernunft schilderte der Referent das Problem, eigenen und fremden Anforderungen nicht gerecht werden zu können: "Viele Menschen sind nicht in der Lage, sich selbst einfach so anzunehmen, wie sie sind." Er bedauerte den Verlust der Idee des guten Lebens, das doch eine Kategorie der Vernunft sei. Stattdessen leben viele Zeitgenossen mit dem Gedanken an die Maximierung des Gewinns, des Vergnügens, der Schönheit. Zweckorientiertes, berechnendes Denken bestimmt ihr Leben - manchmal schon vom Kindergarten an!

Wie kam es dahin?
Ein Entschwinden der Vernunft wurde schon um 1800 philosophisch formuliert von Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 - 1831). Er erkannte, dass das Denken oft auf Verstand reduziert ist, der übrig bleibt, wenn die Vernunft verloren geht. Hegel bezeichnete zum Beispiel das Staatswesen als eine vernünftige Organisationsform, weil Allgemeinwohl nicht vom Individualwohl zu trennen ist. Hofweber fragte sein Publikum direkt: "Zahlen Sie gerne Steuern? Wenn nicht, zeigt das eine Distanz zum Allgemeinwohl!" Friedrich Nietzsche (1844 - 1900) warnte davor, dass sich oberste Werte entwerten und nicht mehr den Halt geben, den sie einmal gegeben haben. Edmund Husserl (1859 - 1938) schließlich sah das Vertrauen des Menschen auf die Größe seiner Vernunft schwinden. Führt man diese Gedanken weiter, so kommt man zu der Erkenntnis, dass mit der Vernunft auch die großartige jüdisch-christliche Idee der Gottesebenbildlichkeit verloren geht.

Rückkehr der Vernunft
Um die Bedeutung der Vernunft noch einmal klarzumachen, wählte Dr. Gerhard Hofweber folgendes Beispiel: Ein junger Mensch kann ein guter Schachspieler sein, weil er mit dem Verstand Züge aus Grundprinzipien (Regeln) ableiten kann; aber er ist deshalb noch kein Philosoph; denn die Aufgabe der Vernunft ist das Erkennen dieser Grundprinzipien. Dass dies schwer sei, räumte er ein, stellte aber auch erfreut fest, dass ein wachsendes Bedürfnis zu verzeichnen sei, zentrale Fragen wieder zu stellen und zu einer Orientierung zu kommen, die man folgendermaßen skizzieren könnte: Das griechische Wort für Weltall lautet ‚Kosmos', dies enthält auch die Bedeutung ‚Ordnung'. Und daraus folgt: Es gibt für jedes Ding und jedes Lebewesen einen festen Platz, wo es vernünftigerweise ist. Die Welt und ihre Struktur sind vernünftig. Und da Vernunft zur Welt gehört, kann sie nicht wirklich verschwinden.

Christian Pagel

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Mathias Jannetti, David Mayer, Mirjam Szörenyi

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Verena Lang, Sinah Steinhart

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