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Frauen.Krieg.Lustspiel
Packendes modernes Theater
Fantasievoll, spannungsgeladen, mitreißend: So kann
modernes Theater sein, wenn es gut inszeniert wird und engagierte
Schauspieler(innen) auftreten. Dem Ursberger Kellertheater im
Ringeisen-Gymnasium der St. Josefskongregation unter der Leitung von
Andreas Eberle ist mit der Produktion "Frauen.Krieg.Lustspiel" des 2001
viel zu früh verstorbenen avantgardistischen Theaterschriftstellers
Thomas Brasch dieser Coup gelungen. Drei Mal wurde die exquisite
Inszenierung einem zwar kleinen, aber feinen Publikum gezeigt.
Das Stück ist in drei Szenen eingeteilt, die zwar miteinander
korrespondieren, aber auch unabhängig voneinander gesehen und gezeigt
werden können. Die erste Szene "Zeit der Spiele" zeigt den Dialog
zweier Wäscherinnen, Klara (Heidi Spengler) und Rosa (Hannah
Lachenmaier). Beide spielen gemeinsam in permanent wechselnden Rollen
Situationen aus dem Leben zweier Wäscherinnen im 1. Weltkrieg: die
Suche nach dem Mann an der Front, die Begegnung mit einem Polizisten,
die Arbeit im Feldlazarett, im Bordell ...
Die zweite Szene spielt dann als Spiel im Spiel auf dem Theater. Der
Darsteller des Pandarus (Patricia Schwarz), hier in Anspielung auf
Shakespeares "Troilus und Cressida", tritt zusammen mit seinem
Souffleur (Victoria Gleich) auf. Zuerst mutet es wie eine
Theaterparodie an, wenn unter anderem über die Gage diskutiert wird.
Unterbrochen werden diese Abschnitte von unter die Haut gehenden
Chorszenen, analog zum antiken Theater. Fünf gefangene "Neger aus den
Ersatzheeren" ( Tanja Schenzinger, Marit Schmid, Christina Strobl,
Susann Strupat und Patricia Tadic) philosophieren über den Tod und
warten auf ihre Erschießung. Unerwartet übernimmt dies dann plötzlich
der Souffleur, gleichsam aus dem Spiel heraustretend, wenn er - laut
über die Belastung des Souffleurberufs nachdenkend - diese exekutiert.
Was will uns der Autor
damit sagen...
Zunächst fühlte sich der Zuschauer in dieser Situation alleingelassen.
Die Pause bot aber Gelegenheit zu zahlreichen Gesprächen. Und selten
wurde im Kellertheater so lebendig und hingebungsvoll in der Pause
diskutiert. Schnell waren sich die Zuschauer einig: Es geht um Krieg,
es geht um Tod, es geht um das damit verbundene menschliche Elend.
Beeindruckt von der Einzelleistung der Darstellerinnen und gespannt
ging es dann nach der Pause weiter.
"Wut tut gut" war der Titel der letzten Szene. Diese korrespondierte im
Personenbestand weitgehend mit der ersten Szene. Eigentlich sollten nur
Klara und Rosa wieder auftreten. Klara (oder war es doch Rosa?), im
Nachklang des Kriegsgeschehens des ersten Teils zur Mörderin ihres
Kindes geworden, bereitet sich auf die Gerichtsverhandlung vor. Sie
zeigt verschiedene Facetten ihrer Persönlichkeit und probiert auch
unterschiedliche Versionen ihrer Geschichte aus, wie sie sie dem
Richter erzählen will, um ein mildes Urteil zu erreichen. Diese
Vielschichtigkeit zeigten die Ursberger dadurch, dass sie die
gespaltene Persönlichkeit durch das Original und fünf weitere Varianten
(Darstellerinnen des Chores der zweiten Szene) auf die Bühne brachten.
Am Ende entstand in vielen Zuschauern erst so langsam ein sich
konkretisierendes Bild von dem, was der Autor zum Ausdruck bringen
will: Frauen litten unter Kriegen immer am meisten, der Tod und die
menschliche Verrohung sind das Schlimme am Krieg, aber: Krieg ist hier
nur eine Metapher, ein Symbol für all das, was den Menschen - auch uns
- im Leben aus der "bürgerlichen Lebensbahn" werfen kann. Und so kann
ein durchaus schwieriges Theaterstück, bei dem der Zuschauer sehr
gefordert wird, zu wahrlichen Begeisterungsstürmen hinreißen. Auch
Gernot Römer, der frühere Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen,
ließ es sich nicht nehmen, diese Theaterrarität mitzuerleben und
bewertete die Leistung der Ursberger mit einem schlichten "Das ist
großartig". Ein größeres Lob kann man Andreas Eberle und seiner Crew
eigentlich nicht aussprechen.
Christian Pagel
Hanna Lachenmaier als Rosa und Heidi Spengler als
Klara
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